Viele Frauen sind hochkompetent in Koregulation. Sie beruhigen, halten, vermitteln, tragen. Sie nehmen feine Veränderungen wahr, spüren Stimmungen, halten Spannungen, vermitteln zwischen Bedürfnissen und sorgen dafür, dass Beziehungen stabil bleiben. Gleichzeitig wird genau diese Fähigkeit oft selbstverständlich eingesetzt. Das führt nicht sofort zu Zusammenbruch, sondern häufig zu schleichender Erschöpfung, innerer Unruhe oder dem Gefühl, nie wirklich entlastet zu sein. Nach außen wirkt das stabil. Innen steigt die Spannung. Wenn diese Spannung schließlich nicht mehr haltbar ist, meldet sich das Nervensystem deutlich. Schreien, weinen, verzweifelt sein. In diesem Zustand bedeutet der Satz „Komm runter!“ keine Hilfe, sondern eine erneute Überforderung.
Wenn Frauen hören: „Du übertreibst“, „So schlimm ist es doch nicht“, „Reiß dich bitte mal zusammen“, wird ihre körperliche Realität infrage gestellt. Das Nervensystem lernt: Meine Wahrnehmung ist falsch. Ich darf ihr nicht trauen. Das ist hochdestabilisierend (nennt man auch Gaslighting) - besonders für ein System, das ohnehin gelernt hat, sich selbst zurückzustellen.
In diesem Termin machen wir sichtbar, wie emotionale Arbeit entsteht, warum sie so selten als Arbeit erkannt wird und welche nervensystemischen Kosten sie verursacht. Wir beschäftigen uns damit, wie Koregulation wieder zu einer Wahl wird - statt zu einer stillen Verpflichtung. Wir schauen darauf, was passiert, wenn Frauen sagen „Ich kann nicht mehr“ und leider Beruhigung, Relativierung oder Korrektur erfahren. Und wir sprechen darüber, warum dieses Erleben (Korrektur) häufig als Alleingelassen-Sein oder Gaslighting wirkt und weshalb Selbstregulation in solchen Momenten keine Lösung ist.
Dieser Raum richtet sich ausschließlich an Frauen. Mehr dazu
Unterschiede in der Stressreaktion von Frauen und Männern sind gut erforscht. Neben der klassischen Kampf-/Fluchtreaktion beschreibt die Stressforschung bei Frauen häufiger eine bindungsorientierte Antwort, bekannt als „tend and befriend“. Dieses Konzept wurde u. a. von Shelley Taylor entwickelt und beschreibt, dass Frauen unter Stress eher Beziehung, Nähe und soziale Abstimmung suchen, statt Stress unmittelbar über Handlung oder Rückzug zu entladen.
Neurobiologisch spielen dabei neben der Aktivierung des Sympathikus auch Oxytocin-vermittelte Prozesse eine stärkere Rolle. Diese fördern Bindung und Koregulation, können jedoch dazu führen, dass Aktivierung länger im Körper gebunden bleibt. Stress wird dadurch häufiger internalisiert statt externalisiert.
Nervensysteme reagieren also nicht geschlechtsneutral! Diese Unterschiede sind keine Charakterfragen, sondern Ausdruck unterschiedlicher Nervensystemstrategien, die sich aus Biologie, Hormonsystem und Sozialisation entwickeln. Daraus ergibt sich die fachliche Notwendigkeit, Nervensystemarbeit für Frauen differenziert und in eigenen Räumen anzubieten.
Frauen- und Männerkörper sind also hormonell, sozial und evolutionär unterschiedlich organisiert. Viele Methoden, die aktuell in sozialen Medien als „regulierend“ oder „stärkend“ propagiert werden, orientieren sich an männlichen Stress- und Belastungsprofilen und wirken bei Frauen oft ganz anders als versprochen.
Frauen leben in zyklischen Körpern. Ihr Nervensystem ist enger mit Beziehung, Bindung und Rhythmus verschaltet. Was für Männer aktivierend und stabilisierend sein kann, führt bei Frauen nicht selten zu Überforderung, Erschöpfung oder innerem Rückzug - oft zeitverzögert, oft unerkannt.
Diese Reihe schafft einen geschützten Raum für Frauen, in dem Nervensystemarbeit nicht leistungsorientiert gedacht wird, sondern körperlich, relational und realistisch. Es geht nicht um Optimierung, Überwindung oder Durchhalten. Es geht um Orientierung, Entlastung und ein tieferes Verständnis dafür, wie weibliche Nervensysteme tatsächlich funktionieren.
Der Frauenraum ermöglicht, sich nicht anzupassen, nicht zu vergleichen und nicht zu regulieren, während man andere hält. Hier darf das eigene Nervensystem im Mittelpunkt stehen. Und natürlich Räume aus dem Buch „Der Nachtzirkus“.
Bei dieser Veranstaltung werden den Teilnehmenden insgesamt 5 Einheiten Gruppenselbsterfahrung bestätigt. Nähere Infos
Bei ausgewählten Angeboten handelt es sich um Gruppenselbsterfahrung im Kontext der Lebens- und Sozialberatung. Eine Anrechnung ist dann möglich, wenn die
Veranstaltung als Selbsterfahrungsprozess konzipiert ist, in dem persönliche Wahrnehmung, Selbstexploration sowie die Reflexion eigener Haltungen und Muster im
Vordergrund stehen. Die Arbeit erfolgt in einem geschützten Rahmen und wird von einer fachlich geeigneten, zur Leitung von Selbsterfahrung berechtigten Person
gemäß BGBl. II Nr. 116/2022 begleitet.
Zur Kompensation von Fehlzeiten im Bereich der Gruppenselbsterfahrung: Validierbar durch den Ausbildungsträger entsprechend den Anforderungen des BGBl. II Nr. 116/2022, Modul XII lit. f.
Für die individuelle Befähigung: Anrechenbar als Gruppenselbsterfahrung für alle, die am Weg zur individuellen Gewerbeberechtigung sind. Unsere
Gruppenselbsterfahrung entspricht in vollem Umfang den Erfordernissen des BGBl. II Nr. 116/2022 § 2.
Für die eigene Ausbildungsberechtigung: Anrechenbar gemäß BGBl. II Nr. 116/2022 § 3 Abs. 6 zur Erlangung der Ausbildungsberechtigung für Selbsterfahrung
(relevant für alle, die zukünftig Gruppen- oder Einzel-Selbsterfahrung für LSB i.A.u.S. anbieten wollen.)
Hinweis: für Angebote an „LSB neu“ sind zusätzlich mind. fünf Jahre aufrechtes LSB-Gewerbe sowie 100 Stunden eigene Selbsterfahrung erforderlich,
für Angebote an „LSB alt“ 130 Stunden eigene Selbsterfahrung zusätzlich zur LSB-Ausbildung und ein aufrechtes LSB-Gewerbe.
Termin: Montag, 21.09.2026 | 16 bis 20 Uhr
Leitung: Antje Goldgruber-Hantinger
Preise:
Vor-Ort-Teilnahme: € 80,- pro Person
Online-Teilnahme: € 50,- pro Person
Registrierte Marken und Designs (alle Rechte vorbehalten):
LSB STUDIO, LANDEZONE, HANTINGER, FREAKWERK, MENTAL-HEALTH-COACH
A Mindful Statement, Textschnipsel, Fallwerkstatt, High-End-Training, Studioqualität, Studio-Werkstatt, Explore your Future,
Kintsugi-Art, Neuro-Lines, #sogehtlernen, Mastermind(ful) Board, Glimmer am Abend, Systemische Zauberkunst, Click & Learn, Zauberhafte Impulse inkl. Trainingsdesigns der Jahresthemen, Importrait, Kunst & Frühstück